Dienstag, 16. März 2021

Großbritannien bleibe aber der Nato und der als "Five Eyes" bezeichneten Geheimdienstkooperation mit den englischsprachigen Ländern USA, Australien, Kanada und Neuseeland verbunden, hieß es in dem Dokument

 POLITIK

Angst vor neuem WettrüstenBriten bauen Atomprogramm massiv aus

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Britische Trident-Rakete bei einem Test im Oktober 2005.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Atomwaffengegner sind entsetzt und warnen vor einem Wettrüsten, die Regierung spricht von notwendiger Abschreckung: Großbritannien will sein Nuklearwaffenarsenal um dutzende Sprengkörper erweitern. Begründet wird der Schritt offenbar mit einer zunehmenden Bedrohung durch Russland.

Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung der Außen- und Verteidigungspolitik will die britische Regierung das Atomwaffenarsenal des Landes deutlich ausbauen. Die Zahl der nuklearen Sprengköpfe soll von 180 auf 260 erhöht werden, wie aus einem in London vorgelegten Bericht zu einer umfassenden Neuausrichtung der Sicherheits-, Verteidigungs- und Außenpolitik hervorgeht.

Die Kampagne zur nuklearen Abrüstung nannte einen Ausbau des britischen Atomarsenals "schockierend", besonders angesichts der drängenden Probleme durch die Corona- und die Klimakrise. "Wir wollen nicht mehr Nuklearwaffen. Wir wollen gar keine", erklärte die Organisation, nachdem Einzelheiten aus dem Bericht bereits zuvor in Medien durchgesickert waren. Die Geschäftsführerin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, Beatrice Fihn, warf der Regierung in London vor, ein "neues atomares Wettrüsten" zu befeuern.

Der britische Außenminister Dominic Raab rechtfertigte die Atomabschreckung in der BBC, ohne zunächst auf Einzelheiten des Berichts einzugehen. Großbritannien brauche "ein Mindestmaß glaubwürdiger atomarer Abschreckung", sagte Raab dem Sender. Atomwaffen seien "die ultimative Absicherung" gegen Bedrohungen durch feindliche Staaten, fügte er hinzu. In dem Bericht soll Russland als "aktive Bedrohung" eingestuft sein, China hingegen eher als System-Herausforderung.

Ein neuer Platz in der Welt?

Die Regierung bezeichnete die sogenannte "Integrated Review" als radikalste Neubewertung des britischen Platzes in der Welt seit dem Ende des Kalten Krieges. Der konservative Premierminister Boris Johnson will noch heute die Neuausrichtung der Außen- und Verteidigungspolitik vorstellen, die die Linie der Regierung für das nächste Jahrzehnt prägen dürfte. Nach dem Austritt aus der EU will sich Großbritannien derzeit international neu positionieren. London will sich zudem geopolitisch stärker nach Asien und zum Pazifikraum ausrichten.

Bis 2030 rechnet die britische Regierung demnach mit einer weiteren Entwicklung zu einer multipolaren Welt und einer Verlagerung des Schwerpunkts in den indopazifischen Raum. Dem solle mit der Entsendung des Flugzeugträgers "HMS Queen Elizabeth" in den Pazifik und einer Reise Johnsons nach Indien später in diesem Jahr Rechnung getragen werden. Großbritannien bleibe aber der Nato und der als "Five Eyes" bezeichneten Geheimdienstkooperation mit den englischsprachigen Ländern USA, Australien, Kanada und Neuseeland verbunden, hieß es in dem Dokument.

Das britische Trident-Atomprogramm ist in Großbritannien umstritten. Angesichts der weltweiten Abrüstungsbestrebungen seit dem Ende des Kalten Krieges wurde immer wieder gefordert, es abzuschaffen. Zu den Gegnern gehört die oppositionelle Labour-Partei sowie die Schottische Nationalpartei. Großbritanniens Atom-U-Boot-Flotte ist in Westschottland stationiert.

Quelle: ntv.de, mdi/AFP/dp

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