Donnerstag, 15. Januar 2026

putin ven

 

Venezuela: Russland verteidigt seine Ölinteressen gegen US-Ansprüche

 Franziska Lindner
Ein Erdölfeld und Flagge Venezuelas

Wie geht es weiter im Kampf um die Kontrolle venezolanischer Ölvorkommen?

 

(Bild: Dancing_Man/Shutterstock.com)

Moskau hält an Ölprojekten in Venezuela fest, während Washington den Druck erhöht. Doch noch eine andere Frage spielt eine Rolle. Eine Analyse.

US-Präsident Donald Trump versucht seit Anfang Januar die Kontrolle über Venezuela mit militärischen Mitteln zu beanspruchen. Am vergangenen Dienstag erklärte Moskau, dass die Erdöl-Vermögenswerte, die Russland in dem Karibikstaat erschließt, Russland gehörten. Die Föderation werde weiterhin dort tätig sein.

Harte Konkurrenz beim Ölgeschäft

Das russische Unternehmen Roszarubezhneft, das sich gänzlich in staatlicher Hand befindet, beabsichtigt, seine Projekte im Erdöl- und Erdgasbereich in Venezuela fortzusetzen. Es ist dort seit 2020 in fünf Gemeinschaftsunternehmen mit dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA im Bereich Ölförderung tätig.

Nun sieht es sich offenbar von den USA unter Druck gesetzt, deren Regierung nach der Entführung und Gefangennahme des Präsidenten Venezuelas Nicolás Maduro unverhohlen die Übernahme des Ölsektors sowie -handels des Landes durch US-Konzerne anstrebt.

Roszarubezhneft betonte, dass es in Venezuela stets unter strikter Einhaltung nationaler und internationaler Gesetze tätig war und es an seinen Verpflichtungen gegenüber internationalen Partnern dort festhalten werde. Alle Vermögenswerte des Unternehmens seien Eigentum des russischen Staates, in Übereinstimmung mit den Gesetzen Venezuelas, dem Völkerrecht und den Abkommen zwischen den beiden Ländern, hieß es in einer Erklärung der Nachrichtenagentur Tass.

Inwieweit das Völkerrecht hierbei geachtet oder gegebenenfalls zum Recht des Stärkeren wird, sei zunächst dahingestellt. So haben die USA in der vergangenen Woche lediglich auf Grundlage eines US-Gerichtsbeschlusses unter Berufung auf Verstoß gegen US-Sanktionen einen mit Venezuela in Verbindung stehenden Öltanker unter russischer Flagge beschlagnahmt.

Dieser Beschlagnahmung ging eine zweiwöchige Verfolgungsjagd über den Atlantik voraus. Der Nachrichtenagentur Reuters teilten zwei US-Beamte unter Anonymität mit, dass sich in der Nähe des Einsatzortes russische Militärschiffe, darunter ein U-Boot, befand. Unklar blieb, wie nah die Schiffe am Öltanker waren, jedenfalls habe es keine Anzeichen für eine Konfrontation zwischen US-amerikanischen und russischen Streitkräften gegeben.

Dennoch demonstriert der Vorfall die Bemühungen der US-Regierung, venezolanische Ölexporte zu blockieren und den Konkurrenzdruck auf andere Beteiligte sowie die Konfrontationsbereitschaft der USA hochzufahren.

Ernüchterte Reaktionen aus Moskau

Neben der Zusammenarbeit im Energiebereich unterhält Russland seit Längerem enge Beziehungen zu Venezuela, etwa im diplomatischen oder militärischen Bereich.

Im letzten Jahr verabschiedeten beide Staaten ein umfassendes Abkommen über eine Strategische Partnerschaft, jedoch kein militärisches Beistandsabkommen. Dennoch blieben die Reaktionen auf den Sturz Maduros aus Moskau recht zurückhaltend.

Während sich der russische Präsident Wladimir Putin bislang überhaupt nicht zur Lage in Venezuela äußerte, bekräftige das russische Außenministerium seine "unveränderte Solidarität mit dem venezolanischen Volk und der Regierung".

In der entsprechenden Erklärung der Behörde heißt es weiter, dass die Vereidigung der Interimspräsidentin Delcy Rodríguez die Entschlossenheit der bolivarischen Regierung zeige, die notwendigen Voraussetzungen für eine weitere friedliche und stabile Entwicklung Venezuelas angesichts der eklatanten neokolonialen Bedrohungen und der bewaffneten Aggression von außen zu schaffen. Zuvor hatte das Ministerium auch die Freilassung Maduros gefordert.

Dmitri Medwedew, stellvertretende Vorsitzende des nationalen Sicherheitsrats der Russischen Föderation, sagte gegenüber TASS, dass das Verhalten Trumps zwar illegal, aber konsequent sei, da es den Interessen der USA diene. Er betonte, dass Lateinamerika als "Hinterhof" der Vereinigten Staaten angesehen wird und Trump auf die Ölvorkommen Venezuelas abziele.

"Die Hauptmotivation von Uncle Sam war immer einfach: fremde Ölvorräte. Man denke nur an die boshafte, zynische Tante [Madeleine] Albright (Anm. d. Verf.: ehem. US-Außenministerin), die ohne Umschweife sagte, dass es ungerecht sei, dass Russland solche Reichtümer erhalten habe", so Medwedew.

Auf Kanälen des sozialen Netzwerks Telegram äußerten sich verschiedene eher regierungsnahe Personen achtungsvoll hinsichtlich der präzisen Durchführung der US-Operation in Venezuela und stellten Vergleiche zur langwierig verlaufenden "Speziellen Militäroperation" Russlands in der Ukraine an. Doch der Vergleich der gezielten Entmachtung eines Staatspräsidenten mit einer militärischen Intervention mit gänzlich anderen Zielen hinkt.

Bedeutung der Ukraine-Frage

Dass eine heftigere Reaktion seitens Russland auf das Geschehen in Venezuela als Verbündeten Moskaus ausblieb, hat jedoch sowohl analytisch als auch praktisch betrachtet mit der Ukraine-Frage zu tun.

Angesichts des unheilvollen Krieges in der Ukraine und der immer härteren Konfrontation mit dem Westen, allen voran bedeutenden europäischen Staaten, liegt die Priorität russischen außenpolitischen Regierungshandelns unausweichlich auf dem Nachbarland. Dabei ist die Aufrechterhaltung guter Beziehungen zur US-Administration von größerem Gewicht als die Vorgänge in Venezuela, das zudem weit entfernt liegt.

Analysten zufolge haben sich die USA unter der Trump-Regierung von einem Verbündeten Kiews zu einem Vermittler in den Friedensgesprächen gewandelt. Der Ende letzten Jahres von Trump vorgelegte 28-Punkte-Plan für die Ukraine kommt russischen Forderungen und Positionen weit entgegen; etwa bei der Frage von Gebietsabtretungen oder der Nicht-Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato.

Die Bedrohungen russischer Interessen im venezolanischen Sektor zur Ölförderung durch die USA sind für Russland dennoch klar nachteilig. Zudem hat das Land Venezuela Kredite in Milliardenhöhe gewährt, deren Rückzahlung sich als unwahrscheinlich gestaltet.

Kritisch wird es für Russland ferner, sollte es den Vereinigen Staaten gelingen, eine US-freundliche Marionettenregierung in dem Karibikstaat einzusetzen, die dem US-Militär das Waffenarsenal der venezolanischen Streitkräfte preisgibt. Darunter befinden sich teils moderne russische Waffensysteme, die Moskau in den letzten Jahren an Caracas geliefert ha

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

putin ven

  Venezuela: Russland verteidigt seine Ölinteressen gegen US-Ansprüche 15. Januar 2026   Franziska Lindner Wie geht es weiter im Kampf um di...