„Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben“ ist ein schönes altes Sprichwort, das mir lange nicht mehr in den Sinn gekommen war – bis gestern Abend, als ich die Zahlen sah, die Handelsblatt-Energiereporter Klaus Stratmann recherchiert hat.
Im Rekordtempo haben sich die EU und speziell Deutschland seit 2022 aus der Abhängigkeit von russischem Pipelinegas befreit. Ersetzt wurde es durch Flüssiggas (LNG), das zum großen Teil aus den USA stammt. Besonders deutlich wird das mit Blick auf Deutschland: 2025 lieferten die USA nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 92 Prozent des an deutschen Terminals angelandeten LNG.
Das muss kein Problem sein. Aber angesichts der Kaltfront, die derzeit durch die transatlantischen Beziehungen fegt, könnte es schnell eines werden. „Historisch galten Eingriffe der US-Regierung in Gasmärkte, um Druck auf Europa auszuüben, als undenkbar“, sagt Raffaele Piria, Senior Fellow am Berliner Ecologic Institute: |
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| | Im aktuellen geopolitischen Kontext ist diese Annahme jedoch fraglich. |
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Piria hat eine Studie initiiert, die das Ausmaß der neu geschaffenen Abhängigkeit deutlich macht.
Betrachtet man Pipelinegas und LNG zusammen, ergibt sich folgendes Bild: 2020 lag der US-Anteil an den Gasimporten in die EU unter fünf Prozent; damals dominierten noch die russischen Lieferungen per Pipeline. Seitdem wuchs der US-Anteil kontinuierlich. 2024 betrug er 16,7 Prozent, 2025 stieg er weiter.
Sinnvoller ist es, dabei statt der EU den Europäischen Wirtschaftsraum (EEA) zu betrachten, der auch den Gas-Großproduzenten Norwegen umfasst. 2024 war das skandinavische Land mit einem Anteil von rund 33 Prozent der wichtigste Gaslieferant der EU. Klammert man also die Importe aus Norwegen aus und beschränkt sich auf Gasimporte, die von außerhalb des EEA nach Europa kommen, steigt der 16,7-Prozent-Anteil der USA auf 25,1 Prozent.
Und laut Plan wäre es noch mehr geworden: Denn im Rahmen des Zollabkommens mit den USA hatte sich die EU im vergangenen Jahr verpflichtet, bis Ende 2028 LNG, Öl und Kernbrennstoffe sowie Spitzentechnologie aus den USA in einem Volumen von 750 Milliarden US-Dollar zu importieren. Vielleicht ist es nicht nur eine schlechte Nachricht, dass dieses Abkommen bereits vor dem Inkrafttreten Geschichte zu sein scheint. Zumindest kann sich Europa nun nach anderen LNG-Lieferanten umsehen. Jetzt Artikel lesen... |
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